TIROLER UNIKAT GERETTET
Abschrift aus der Zeitung “Schienenverkehr aktuell” vom März 2003
Die bekannte “Rauchmühle” in Innsbruck Mühlau betreibt, abzweigend vom Bahnkilometer 72,425 (Streckengleis 2) der Linie
Kufstein - Innsbruck, eine Anschlußbahn, genauer gesagt eine Ausweich-Anschlußstelle. Die Anschlußbahn erfreut sich,
saisonal bedingt, gewaltigen Frachtaufkommens (ca. 50.000 Tonnen pro Jahr). Planmäßig erfolgt die Bedienung mit der 3.
Verschubreserve Innsbruck Hauptbahnhof, und zwar meist gegen 20 Uhr. Bei starkem Frachtaufkommen wird öfters gegen
Mitternacht ein zweites Mal gefahren.
Unmittelbar hinter der Abzweigweiche befand sich bis vor ca. zwanzig Jahren ein Lagerhaus für Getreide. Von dort musste das
Getreide zur ungefähr einen halben Kilometer entfernten Mühle gebracht werden. Für diese Transporte wurde ein motorisierter
Güterwagen mit eingebauten Getreidebehältern herangezogen. Dabei handelt es sich um einen Teil der sogenannten”Leig-
Einheit”, gebaut 1923 von der Firma L. Steinfurt in Königsberg in Preußen. Der von der Deutschen Reichsbahn als G II mit der
Betriebsnummer 11406 eingereihte Waggon wurde von der Firma Anton Rauch von einem Schrotthändler erworben, nachdem
es ihn nach kriegsbedingten Beschädigungen dorthin verschlagen hatte. Er erhielt eine Motorisierung mittels
eines Lanz-Dieselmotors der Type N 6217 (12 PS bei 400U/min), die Kraftübertragung erfolgte mit Getriebe
und Ketten. Der ausschließlich im Werksgelände eingesetzte Waggon erreichte eine Geschwindigkeit von 2,3
km/h. Später tauschte man den Lanz-Motor gegen einen Jenbacher-Dieselmotor Type JW 20 - die erste
Motorisierung eines Eisenbahnfahrzeuges durch die Jenbacher Werke.
Während der als “Führerstand” adaptierte Anbau gleichzeitig Motorraum und vom übrigen Waggon durch
eine Wand getrennt war, konnte im Wagen selbst vier über die Dachluken zu befüllenden Getreidebehälter
eingebaut werden. Die eine Ladekapazität von ca. 20 Tonnen aufweisenden Getreidebehälter wurden am
Mühlensilo über vier an einer Seite und am Wagenboden angebrachte Rutschen entladen. Bei optimalem
Betriebsablauf pendelte der “Transportwagen” sechsmal pro Tag zwischen dem Außenlager und dem
Mühlensilo, er fuhr aber an manchen Tagen überhaupt nicht. Nach gestiegener Nachfrage und guter
Etablierung der Firma Rauch auf dem Weltmarkt wurde nächst der Mühle ein großes Getreidelager gebaut
und das Außenlager am Beginn der Anschlußbahn überflüssig und schließlich abgerissen. Dies bedeutete auch das Ende des
Motorwagens. Nur mehr äußerst sporadisch für Verschubtätigkeiten herangezogen, konnte er 1993 durch den
Modellbahnclub Wattens vor der Verschrottung gerettet werden. Danach stand er bis zum Sommer 2002 auf einem nicht
mehr benötigten Anschlußgleis am östlichen Bahnhofskopf in Fritzens - Wattens hinterstellt.
Schließlich wurde der interessante Veteran letztes Jahr vom Modellbahnclub Wattens dem Verein der Eisenbahnfreunde in
Lienz übereignet, wo er im dortigen Museumsheizhaus neben anderen historischen Fahrzeugen besichtigt werden kann.
-Haid-
Bild: Der “Transportwaggon”, firmenintern immer als “Atomwagen” bezeichnet (angeblich, weil die Inbetriebnahme zu der Zeit
erfolgte, als im Pazifik Atomversuche stattfanden).
“PRESSE”
1990 - 2010
Viele strahlende Kinderaugen und Väter, die sich sehnlichst wünschen, dass der Nachwuchs so schnell wie möglich
den richtigen Geschenkwunsch entwickelt – das erlebt man beim Anblick einer Modellbahn.
Ein faszinierendes
Hobby für Jung und Alt
20 Jahre Modellbahnclub Wattens (Abschrift aus der Dezemberausgabe der R19)
Wir schreiben den Monat Mai 1990. Eckhard Varesco und sieben Gleichgesinnte machen sich daran, sich ihren
Kindertraum zu erfüllen. Sie gründen den Modellbahnclub Wattens und beginnen mit dem Bau einer großen H0
Anlage. Heute - 20 Jahre später – kann man das Werk, eine geschätzte 30.000 € wertvolle Miniaturwelt im
ehemaligen Sozialhaus in Wattens bewundern. „Ein Modellbauer wird nie fertig. Er findet immer etwas Neues und
tauscht Altes aus – genau das ist der Spaß an dem Hobby“, meint der Obmann des Wattener Vereines, der sich mit
seinem Team Herr über Dutzende Züge, ganzer Städte und Dörfer und Erbauer von Brücken, Tunnels und
Landschaften nennen darf.
„Ich will mein Wissen weitergeben, Anderen die Faszination des Modellbauens zeigen und die Freude über gemeinsam
Geschaffenes mit Freunden teilen“, erklärt der leidenschaftliche Modellbauer und verweist auf die vielen Aktivitäten
der letzten 20 Jahre in seinem Verein, „wir waren mit unserer Bahn schon bei
Ausstellungen in Innsbruck, Mayrhofen, Mils, Wörgl, Zirl und Bruneck und überall brachte
das Werk Kinderaugen zum Leuchten und Eltern zum Träumen.“ Eckhard steht mit seiner
Leidenschaft aber nicht alleine da. Der Verein zählt heute 30 Mitglieder und unterhält sogar
eine eigene Jugendgruppe, die ebenfalls an einer eigenen Bahn arbeitet. Neben der Arbeit
an dem Werk, die immer an den Clubabende montags und freitags im Clublokal stattfindet,
gibt es Ausflüge, die nicht Jedermann erleben kann. Die Besichtigung des Märklinwerkes ist
noch Vielen in guter Erinnerung. Die Clubmitglieder glauben, dass es im Raum Wattens
sicher noch mehr Modellbau- und Modellbahnbegeisterte gibt, die sich vielleicht nur nicht
trauen, sich den Traum von der (fast) eigenen Bahn zu erfüllen. „Bei uns ist Jeder
willkommen, dazu braucht es keine Vorkenntnisse und nur wenig Talente und
Fertigkeiten.“, verspricht Varesco.
Leider macht die oft zitierte Wirtschaftskrise auch vor einer scheinbar heilen Miniaturwelt
nicht halt. “Wir haben große Ausgaben für Miete und Betriebskosten“, klagt Varesco, „Geld,
das uns für die Weiterentwicklung der Bahn fehlt. Genau aus diesem Grund wird der
Mitgliedsbeitrag ab dem Jahr 2011 angehoben. Der Obmann will aber nicht nur clubintern
aktiv werden, sondern hofft auf Sponsoren. Seit geraumer Zeit ist ein Zug auf den Geleisen
der Bahn unterwegs, dessen Waggons Werbung tragen. „Der Zug ist schon recht lang“, meint der stolze Obmann,
„wir könnten aber einen zweiten Zug mit der selben Länge gut gebrauchen! “Für Euro 70 fährt ein Waggon mit der
Aufschrift „Der Modellbahnclub Wattens dankt seinem Sponsor …“ 2 Jahre lang auf den Schienenwegen der
Miniaturwelt. Ein besonderes „Zuckerle“ hat sich der Club übrigens für seine zahlreiche jungen Fans einfallen lassen.
Am 24. Dezember zwischen 10 und 15 Uhr ist die Bahn im Vereinshaus wieder öffentlich zu besichtigen, „…damit das
Christkind auch ungestört in jedes Haus kann“, schmunzelt der Obmann.
Wußten Sie schon ....?
Wolfgang Egger